SzenAR eröffnet neue Dimension des sprachsensiblen Lernens
SzenAR ist ein Innovationsprojekt zur Förderung der Sprachsensibilität in der generalistischen Pflegeausbildung. Gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL) und der Ludwig‑Maximilians‑Universität München (LMU) entwickelte TriCAT eine immersive VR‑Lernumgebung, die Auszubildende in realitätsnahe Kommunikationssituationen versetzt und sprachliches Handeln gezielt trainierbar macht. Das Projekt wird an ausgewählten Pilotschulen bis Juni 2026 getestet.

PROJEKTZIELE
„Entwicklung der Sprachsensibilität durch den Einsatz von Szenariendidaktik in Verbindung mit AR- und VR-Technologien an beruflichen Schulen.” (SzenAR)
Förderung der Sprachsensibilität
Einsatz von Szenariendidaktik
Nutzung von immersiven Technologien
ZIELGRUPPE
Auszubildende in Pflegeberufen
DIDAKTISCHER KERN: SZENARIENDIDAKTIK IN VR
Die Lernumgebung bildet typische Kommunikationssituationen der Pflege ab, darunter:
- Validation
- Übergabegespräch
- Anleitung pflegerischer Maßnahmen
Durch die immersive Umsetzung können Auszubildende in den 3D-Umgebungen unterschiedliche Perspektiven einnehmen, ihre Rollen wechseln und Gesprächsbausteine anwenden – ein entscheidender Vorteil gegenüber klassischen Rollenspielen.
KOLLABORATIVE TRAININGSUMGEBUNG
Ein besonderer Mehrwert der Lösung liegt in der vollständig kollaborativen Durchführung der Trainingsszenarien. Sowohl die Trainierenden als auch die Lehrkraft können gemeinsam in der virtuellen Umgebung agieren – wahlweise immersiv über VR-Brillen oder flexibel via Desktop-PC.
Zusätzlich können auf integrierten Medienwänden innerhalb der virtuellen Lernumgebung Inhalte wie Gesprächsleitfäden, Lernmaterialien, Bilder, Videos oder Fallinformationen eingeblendet werden. Lehrkräfte erhalten dadurch die Möglichkeit, Trainingssituationen didaktisch flexibel zu steuern und Inhalte unmittelbar in den Szenarien zu visualisieren.
REFLEXION UND GEMEINSAME ANALYSE
Nach dem Training kann die gesamte Session über die integrierte Recording-Funktion gemeinsam mit den Auszubildenden analysiert werden. Das erneute Betrachten der Szenen unterstützt:
- die Reflexion des Kommunikationsverhaltens
- das Erkennen von Stärken und Verbesserungspotenzialen
- Perspektivwechsel und gemeinsames Feedback
- praxisnahe Nachbesprechungen innerhalb der Lerngruppe
- nachhaltiges Lernen durch unmittelbares Feedback
Die Aufzeichnungen fördern so die nachhaltige Weiterentwicklung kommunikativer Kompetenzen.
LIVE-ÜBERTRAGUNG FÜR DEN KLASSENUNTERRICHT
Die Trainingssituationen können zusätzlich live auf eine große Leinwand oder ein Display im Klassenraum übertragen werden. Die gesamte Lerngruppe hat dadurch vielfache Beteiligungsoptionen: entweder via VR-Brille, am Destktop oder per Beamer-/Monitor-Übertragung die Interaktionen der Akteure in der virtuellen Welt in Echtzeit mitverfolgen.
Diese Form des „Shared Viewing“ ermöglicht es nicht aktiv teilnehmenden Auszubildenden, Beobachtungsaufgaben zu übernehmen, Kommunikationssituationen gemeinsam zu analysieren und aktiv in Reflexions- und Feedbackprozesse eingebunden zu werden. So wird aus dem VR-Training ein gemeinschaftliches Lernerlebnis für die gesamte Klasse.

ANFORDERUNGEN
- Lehrkräfte und Auszubildende ohne technische Vorkenntnisse müssen sofort arbeitsfähig sein
- Entwicklung einer vollständig kollaborativen und interaktiven VR-Lernwelt auf Basis von TriCAT spaces® / i:medtasim®
- zwei realistische 3D‑Umgebungen: Krankenstation und Pflegeheim
- animierte Avatare, Patienten und Pflegekräfte
- interaktive Objekte und Medien zur selbstständigen Anpassung
- selbstständiges Speichern und Laden von 3D Szenen
- Session-Recorder-Funktion
- intuitive Bedienung über VR-Brillen mit vorinstallierter App
- hybride Nutzung: PC + VR
- autarkes System, schulnetzunabhängige Infrastruktur via mobilem WLAN-Router
- Lokale Client/Server-Infrastruktur – einfache administrative Steuerung


PILOTIERUNG
Die Testung erfolgte an vier beruflichen Schulen in Baden‑Württemberg (3. Ausbildungsjahr, 15–25 Lernende pro Klasse). Rückmeldungen der Auszubildenden:
- „Ich konnte mich besser hineinversetzen, da ich mein “echtes” Gegenüber ausblenden konnte.“
- „Für mich war das deutlich besser als ein Standard-Rollenspiel, weil ich da so weg bin.“
- „Wäre eine tolle Lernmethode, in verschiedene Welten einzutauchen. So macht Lernen Spaß.“
- „Ich finde VR besser, um zu lernen.“
- „Bitte solche Lerntechniken weiter benutzen, um Lernen zu vereinfachen. Es war wie in der Praxis.“

Erkenntnisse zum Einsatz von VR-Technologie im Unterricht
Die Ergebnisse zeigen: VR erleichtert das sprachliche Handeln, reduziert Hemmungen und fördert die aktive Teilnahme. VR steigert Motivation und Sprachkompetenz.
ERWEITERUNGSPOTENZIAL
- KI‑gestützte Avatare für dynamische Dialoge
- Selbstlernszenarien für PC und VR
- Integration in Lernmanagementsysteme
- Übertragung auf weitere Berufsbereiche wie Einzelhandel oder medizinische Assistenzberufe

FÜR ENTSCHEIDER RELEVANT
Professionelle Kommunikation ist ein Qualitäts- und Wirtschaftsfaktor. Sie zahlt direkt auf die Versorgungsqualität, Patientensicherheit und Effizienz ein.
Reduzierung von:
- Missverständnissen in kritischen Situationen
- Fehlern in Übergaben und Anleitungen
- Konflikten im Team
- Belastung durch wiederkehrende Kommunikationsprobleme
Steigerung von:
- Handlungssicherheit
- Teamstabilität
- Ausbildungsqualität und -erfolg
- Patientenzufriedenheit
Fazit
SzenAR zeigt, wie immersive Technologien die berufliche Bildung nachhaltig verändern können. TriCAT ermöglicht mit seiner VR‑Lernumgebung ein sprachsensibles, motivierendes und realitätsnahes Training, das Auszubildende optimal auf kommunikative Herausforderungen im Pflegealltag vorbereitet.
Ein Best Practice für wirksame und skalierbare Bildungsinnovation.
